Dinkelspelz
Dinkel wird seit etwa 5000 Jahren in Europa angebaut und kann somit als die Urform des Weizens angesehen werden. Er ist anspruchslos und winterhart und gedeiht sogar in Regionen über 1000 m Höhe.
Dinkel war jahrhundertelang das alemannische Volksnahrungsmittel, bis er vom ertragreicheren Weizen verdrängt wurde. Der Dinkel ist dem Weizen ähnlich, aber nicht mit ihm verwandt und kann auch nicht gekreuzt werden. Er ist also ein Getreide, das uns in seiner Urform erhalten blieb.
Mit dem zunehmenden Interesse an den Lehren der Hildegard von Bingen sind Dinkel und Dinkelprodukte wieder voll im Trend. Die große Mystikerin und Nonne des 11. und 12. Jahrhunderts war voll des Lobes für Dinkel: Er wirke nicht nur positiv auf den Körper, sondern mache auch "frohen Sinn und Freude im Gemüt des Menschen". In Anlehnung an die früher gebräuchlichen Haferstroh-Kissen wurde schließlich die Dinkelspreu als Füllmaterial für Bettwaren (wieder-) entdeckt.
Nicht nur ältere Menschen, sondern auch immer mehr junge Menschen klagen heute
über eine verkrampfte Nackenmuskulatur - der Preis, den man für
Computerzeitalter und die Informationsgesellschaft zahlen muss. Ein Kissen kann
hier Abhilfe schaffen, kann helfen Verkrampfungen lösen und Schmerzen zu
lindern. Das Geheimnis dieser Kissen ist die Spreu des Dinkelkorns, mit der sie
gefüllt sind. Der Dinkel hat im Unterschied zu anderem Getreide eine doppelte
Hülle: den Deckspelz und den Vorspelz. Durch Dreschen sind sie nicht abzulösen.
Ein gesonderter Schälvorgang, das sogenannte Gerben, ist erforderlich, um sie
vom Korn zu trennen. Dabei werden die Spelze zwischen zwei Mühlsteinen
auseinandergedrückt. Die Hülle ist sehr widerstandsfähig und der losgelöste
Spelz behält diese Widerstandsfähigkeit und Formstabilität bei.
Im Gegensatz zu den weichen Federkissen, die sich beim Schlafen platt liegen,
behält ein Dinkelspelz-Kissen seine Form. Es stützt und entlastet die
Halswirbelsäule. Es passt sich dabei dennoch - im Gegensatz zu vorgefertigten
Formkissen - dem Schläfer und seiner Haltung individuell an. Besonders wohltuend
ist es, wenn das Kissen vor dem Zubettgehen auf 40° C bis 50° C aufgeheizt wird.
Die Füllung gibt die Wärme nach und nach ab und lockert damit Verspannungen. Das
Kissen kann auch bis zu -20° C heruntergekühlt und als Kältekompresse (zur
Schmerzlinderung) verwendet werden. Da die Dinkelspelze viel Luft einschließen,
sind die Kissen sehr atmungsaktiv. Dadurch kommt es nicht zu einem
Feuchtigkeits- und Wärmestau wie bei Federkissen; man schwitzt weniger. Trotz
der formstabilen Füllung werden die Kissen beim Liegen durchaus als weich
empfunden. Der Dinkelspelz hat damit viele gute Eigenschaften:
Der Dinkelspelz verteilt die Körperwärme gleichmäßig auf der Haut und fördert so die Durchblutung. Verspannungen im Hals-, Wirbelsäulen- und Schulterbereich lösen sich so und der gesunde Schlaf stellt sich fast von selbst ein. Aus diesen Gründen hat sich der Dinkelspelz als Kissenfüllung bei
besonders bewährt. Darüber hinaus sollen Dinkelspelzkissen auch hilfreich sein bei:
Damit auch empfindliche Menschen und Allergiker den Kauf nicht bereuen, wird besondere Sorgfalt auf die Reinigung des Dinkelspelzes verwendet. Der Spelz wird genauso gereinigt wie der Speisedinkel: Stroh- und Staubpartikel sowie Pollen und Reste von Getreidekörnern und auch der Bruchspelz sind im gereinigten Produkt entfernt. Zum einen ist damit dem Ungeziefer der Nährboden entzogen, zum anderen werden Kissen um so elastischer und langlebiger, je gründlicher der Bruchspelz beseitigt wurde. Da sich im Dinkelspelz (bei richtiger Reinigung und weiterer Pflege) keine Milben bilden können, ist er auch für viele Allergiker geeignet. Dinkel mag keinen Dünger und ist resistent gegen Schädlinge, somit kann man Nebenwirkungen aufgrund giftiger Rückstände von vorneherein ausschließen.
Ungewöhnlich hoch ist beim Dinkelspelz der Gehalt an Kieselsäure; die Spreu enthält bis zu 90 Prozent. Einige Hersteller und Vertreiber von Dinkelspelzkissen behaupten, dass die Mineralstoffe durch die Haut dringen und so die inneren Organe positiv beeinflussen und stärkend auf Bindegewebe und Abwehrkräfte wirken. Manche Hersteller raten daher sogar, nach rund einem Jahr die Füllung und damit das Kieselsäure-Reservoir zu erneuern. Die Spelze selbst halten aber problemlos mindestens fünf Jahre. Wissenschaftlich erwiesen ist der unterstellte heilende Effekt des Einflusses der Kieselsäure nicht. Ebenso wenig belegt ist die Behauptung, dass Dinkel-Bettauflagen die schädliche Wirkung der Erdstrahlung reduzieren sollen.
Fazit: Auf der Basis der bisherigen Erkenntnisse ist die Wirkungsweise der Kieselsäure nicht nachweisbar und ein Auswechseln der Kissenfüllung nach einem Jahr wegen des “verbrauchten Kieselsäure-Reservoires” ist nach unserer Meinung eine übertriebene und wenig sinnvolle Maßnahme.
Für die regelmäßige Pflege des Kissens sollten folgende Hinweise beachtet werden:
Waschen sollten Sie die Spelzen nur in Ausnahmefällen, wenn diese richtig verschmutzt sind (z.B. durch Erbrochenes oder Ähnliches): Hierzu die Spelzen in lauwarmes Wasser geben und vorsichtig umwenden. Das Wasser mehrfach erneuern. Zum Trocknen wird der Dinkelspelz großzügig auf einem Tuch ausgebreitet und in der Sonne getrocknet (dauert mehrere Tage!), dabei den Spelz öfter umdrehen. Wem das zu umständlich ist: Man kann die Kissen in der Waschmaschine waschen, bei max. 30°, ohne Waschpulver und alleine, da der Dinkelspelz ausfärbt. Die nassen Kissen werden zum Trocknen auf Wäscheständer oder ähnlichem ausgebreitet, sodass eine Luftzufuhr von oben und unten möglich ist. Alle 2 bis 3 Stunden sollten die Kissen aufgeschüttelt und umgedreht werden. Die Trocknung dauert je nach Lufttemperatur mindestens 2 Tage.